Über dem Abgrund

Jeder kennt es. Vor einer schwierigen lebensverändernden Entscheidung zu stehen. Vor dem Abgrund zu stehen und hinunter zu blicken. Hinunter ins Dunkel zu sehen, und nichts zu erkennen. Und dabei empfindest du Furcht.

Was auch immer der Abgrund für dich ist, ein neuer Job, eine neue Beziehung, ein neuer Lebensabschnitt oder etwas vollkommen anderes. Tiefe einschneidende Veränderungen stehen dir bevor, und du empfindest Angst.

Jeder Mensch steht ein oder mehrmals im Leben vor so einem Abgrund und zweifelt.
Vielleicht stehst du gerade vor so einer schwierigen Entscheidung, dann können dir die beiden folgenden Geschichten vielleicht helfen.

Flamm Abgrund 1

Inhaltsverzeichnis

Am Abgrund – Hab Vertrauen
Am Abgrund – Lass Los
Interpretation
Du bist dran

Am Abgrund – Hab Vertrauen

Eines Abends ging ein einfacher Mann nach Hause, und sein Weg führte ihn in die Nähe einer Schlucht. Es war eine dunkle Nacht, und er kam vom Weg ab. Der Mond versteckte sich hinter dicken Wolken.

Wie es der Zufall so wollte, stolperte der Mann über eine Baumwurzel und stürzte. Er fiel in den Abgrund, doch mit letzter Kraft konnte er sich an der Baumwurzel festkrallen. Und so hing er über dem Abgrund.

Der Mann hatte Angst vor dem Tod, und so klammerte er sich um so fester an die Wurzel des Baumes. Zuerst hatte er die Wurzel verflucht, aber jetzt war sie das Einzige, das sein Leben rettete.

Flamm Abgrund 2

Er versuchte sich hochzuziehen, doch er merkte, dass die Wurzel anfing abzubrechen, und so harrte er aus. Hinauf konnte er nicht, hinunter waren es hunderte von Metern, und so klammerte er sich weiter fest.

Und so hing der Mann über dem Abgrund und dachte über sein Leben nach. Die Zeit verging, und er fühlte seine Kräfte schwinden.

Doch er hatte Vertrauen und klammerte sich weiter tapfer an der Wurzel fest.

So wie die Kräfte des Mannes schwanden, so schwanden auch die Stunden der Nacht. Als die Sonne aufging, weinte der Mann vor Freude, denn er hätte nicht gedacht, noch einen Sonnenaufgang zu erleben.

Aber die Sonne offenbarte noch etwas anderes:
Der Boden des Abgrunds war nur einen Meter unter ihm. Anscheinend war er so stark vom Weg abgekommen, dass er an einer seichten Stelle der Schlucht war.

So ließ der Mann die vermeintlich lebensrettende Wurzel los, und er lag weinend und lachend auf Boden.

– frei nacherzählt

Am Abgrund – Lass Los

In einer anderen dunklen Nacht ging ein anderer Mann des gleichen Weges entlang. Er war sich seiner Sache gewiss, denn er kannte jeden Stein des Weges, und so hatte er keine Angst vom Weg abzukommen.

Doch wie es der Zufall so wollte, kam auch er vom Weg ab und in die Nähe der Schlucht. Und wie schon andere vor ihm, stolperte er über die Wurzel eines Baumes. Er stolperte und stürzte in den Abgrund, doch er konnte sich glücklicherweise an der übelbringenden Wurzel festklammern.

Und auch dieser Mann hing an einer Wurzel über dem Abgrund und dachte über sein Leben nach. Doch diesmal wanderten die dicken Wolken, die den Mond verdeckten weiter, und der sanfte Mondschein überflutete den Mann, die Wurzel und den Abgrund.

Und der Mann sah, dass der Boden der Schlucht hunderte Meter unter ihm lag.

Der Mann dachte über sein Leben nach, über die guten Dinge und die schlechten Dinge, die er getan hatte. Er fühlte sich sehr verzweifelt.

Flamm Abgrund 3

In seiner Verzweiflung rief er aus: „Gott, erbarme dich meiner und rette mich!“
Doch nichts passierte.
Mit letzter Kraft flehte er abermals: „Gott, wenn du mich rettest, dann erbaue ich dir einen riesigen Tempel!“

Und wirklich, nachdem der Mann diese Worte gesagt hatte, spürte er in seiner Nähe die Gegenwart einer mächtigen Person.
Der Mann hing an der Wurzel und hörte ein leises Lachen, obwohl er niemanden sah. „Nun sieh dich an. Dein ganzes Leben glaubst du nicht an mich, und jetzt, in der Stunde deiner größten Not rufst du mich an. Was soll ich nur mit dir machen?“

Der Mann konnte es kaum glauben, aber Gott war wahrhaftig zu ihm gekommen, und er fasste wieder neuen Mut. Er stammelte unbeholfen: „Danke Gott, dass du gekommen bist. Wenn du mir hilfst, dann erbaue ich dir, wie versprochen, einen riesigen Tempel und werde bis ans Ende meiner Tage zu dir beten.“

Das Lachen erstarb, und der Mann hörte die tiefe Stimme langsam und bestimmt sagen:
Wenn du wirklich an mich glaubst, dann lass los.“

– frei nacherzählt

Interpretation

Ich glaube fest daran, dass alles was passiert einen Sinn hat. Selbst die schwierigen Prüfungen in unserem Leben haben einen Sinn.

Flamm Abgrund Sinn

Nur leider sehen wir den Sinn nicht sofort. Wir stehen vor schwierigen, ja schier unüberwindlichen Hindernissen.

Manchmal erleben wir selbst das am Abgrund hängen. Wir sind verzweifelt und sehen keinen Ausweg. Doch dem ist nicht so, denn es gibt immer einen Ausweg. Das Leben wird dir einen Weg zeigen.
So verzweifelt die Situation auch ist, das Leben wird dir einen Ausweg zeigen.

Flamm Ausweg

Die beiden Geschichten zeigen uns, dass es immer Hoffnung gibt.

Für den Umgang mit solchen schwierigen Situationen kann ich dir 3 Ratschläge geben:

  • Nimm dich selbst nicht so ernst. Das erscheint im ersten Moment im krassen Gegensatz zur scheinbaren Gefährlichkeit/Schwierigkeit der Situation. Aber wenn du lernst dich zu entspannen selbst in schwierigen Situationen siehst du Lösungen, die du vorher nie für möglich gehalten hast.
  • Vertraue dir selbst. Du trägst alles was du zur Lösung brauchst schon in dir.
  • Sieh die schwierige Situation nicht als schlecht an, und verdamme sie, sondern sieh sie als eine Möglichkeit für dein Wachstum an.

Wer weiß, vielleicht ist die Lösung ganz einfach.
Vielleicht solltest du dich einfach fallen lassen.
Vielleicht ist der rettende Boden näher als du denkst.

Alles was passiert hat einen Sinn.

Du bist dran

Ich hoffe, die Geschichten haben dich zum Denken angeregt.
Und ich wünsche dir, dass du am Ende deiner Prüfungen Freude und Liebe erfährst.

flamm_Abgrund_7

 

Ein inniges und von Herzen kommendes Danke fürs Lesen,
Christoph

 

PS.:
Wie interpretierst du diese Geschichte? Ich würde mich freuen, deine Meinung in den Kommentaren zu lesen.

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