Der Mönch Chikanzenji

Heute habe ich eine Geschichte für dich über falsche Wege, das Loslassen und das Finden des eigenen Wegs. Die Geschichte des Mönchs Chikanzenji ist lehrreich auf vielen vielen Ebenen.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen, und beim Nachdenken, was dich am meisten berührt.

Flamm Chikanzenji

Inhaltsverzeichnis

Der Mönch Chikanzenji
Interpretation
Zum Lachen
Du bist dran

Der Mönch Chikanzenji

Chikanzenji war ein Suchender, wie schon so viele vor ihm. Er lebte vor langer Zeit in einem fernen Land, wie schon viele vor ihm. Wodurch er sich von den anderen aber unterschied, war seine Entschlossenheit.

Schon in jungen Jahren entschied sich Chikanzenji sein Leben der spirituellen Suche nach Erleuchtung zu widmen. Und so zog er aus die Geheimnisse der Welt zu ergründen.

Flamm junger Mönch

Er war jung und voller Tatendrang, und so suchte er einen Meister nach dem nächsten auf. Er lernte so viel er konnte. Essen und schlafen sah er als Verschwendung an, und so verwendete er seine Zeit für das Meditieren und das Studium alter Texte.
Auf seinen Reisen lernte Chikanzenji viele Techniken und Methoden kennen, so praktizierte er Yoga sowie auch Zazen Meditation. Er kannte alle Mantren und alle Götter.

Trotz seiner Anstrengungen fand Chikanzenji vieles, aber nicht die Erleuchtung und innere Ruhe. Und als er älter wurde, beschloss er weniger zu reisen, und länger in einem Kloster zu bleiben. Zehn Jahre war er durch die Welt gezogen und hatte studiert und meditiert.

Und so blieb Chikanzenji in einem Kloster. Manchmal wechselte er in ein anderes Kloster, wenn er von einem weisen Meister dort hörte. Aber die Zeiträume zwischen seinen Reisen wurden immer größer. Und so vergingen 10 weitere Jahre.

Je länger sich Chikanzenji der spirituellen Suche hingab, desto weiter rückte sein Ziel, die Befreiung, weg von ihm. Er wurde immer verzweifelter.
Es wird gesagt, dass Chikanzenji alle buddhistischen Texte der damaligen Zeit besaß. Noch beachtlicher als diese Sammlung war aber sein Gedächtnis, denn er konnte all diese Texte rezitieren ohne Fehler.

Nach dreißig Jahren des Studiums und der Meditation aber änderte sich etwas in Chikanzenji. Er verbrannte alle seine Texte, und zog aus dem Kloster aus.
Chikanzenji ließ sich in einem alten verlassenen Tempel nieder. Er praktizierte kein Yoga mehr, er meditierte nicht mehr, und er las keine Schriften mehr. Das einzige was er tat, war den überwucherten Garten des Tempels von Unkraut und Büschen zu befreien. Und so vergingen seine Tage.

Flamm alter Tempel

Eines Tages nahm Chikanzenji einen alten Dachziegel beim Säubern des Gartens und warf ihn weg. Und als der Ziegel an einem Bambus zersprang, und Chikanzenji dieses Geräusch hörte, wurde er erleuchtet.
Chikanzenji blicket auf, lächelte, und machte dann weiter mit dem Säubern des Gartens.

– frei nacherzählt aus Osho: Zen – The Path of the Paradox, Vol. 1

Interpretation

Und jetzt die Frage, die mir immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubert: Was lernst du aus dieser Geschichte?

Jeder liest diese Geschichte anders. Jeder findet einen anderen Punkt interessant.
Die meisten Leute finden Parallelen von sich selbst zu Chikanzenji, und so lernt jeder etwas anderes von dieser Geschichte. Jeder bekommt das, was er gerade braucht. Du bekommst das, was du gerade brauchst.

Ich empfehle dir, denk darüber nach, was dich bei dieser Geschichte am meisten anspricht. Das wird dir sehr viel über dich selbst verraten. Diese Geschichte ist ein Spiegel für dich selbst, um dich selbst darin wieder zu sehen. Am Ende ist es nicht Chikanzenji, der sein Ziel erreicht, sondern am Ende bist es du, der dein Ziel erreicht.

Die Geschichte von Chikanzenji ist wirklich so tiefgehend, dass ich dir keine einheitliche Deutung geben kann. Denn es gibt so viele Schichten und Schichten der Erkenntnisse, die sich in der Geschichte verstecken.
Bei einigen Geschichten in diesem Blog ist die Deutung ziemlich gerade heraus, aber nicht so bei dieser Geschichte. Bei der Geschichte von Chikanzenji empfehle ich dir, wie schon gesagt, in dein Herz hineinzuhören. Meditiere über die Geschichte.

Osho selbst hat die Geschichte verwendet als er über den Moment der Erleuchtung sprach. Ein Moment, wo du nicht denkst, wo du nicht bewertest, wo du Begehren und Verlangen hinter dir lässt, ein Moment wo du nur bist. Ein Moment, der wie bei Chikanzenji, völlig unerwartet kommt. Und das bei einer von vielen als unwichtig angesehenen Arbeit.
Aber wer weiß schon, was Osho wirklich sagen wollte.

Aber ich kann dir sagen, was mich am meisten an der Geschichte begeistert hat.
Chikanzenji ist dreißig Jahre einem Weg gefolgt, den vor ihm viele andere gegangen sind. Er hat meditiert und Texte gelesen, so wie viele vor ihm auch, und er dachte, das sei auch sein Weg.
Doch erst als er den Mut hatte, den Weg der anderen zu verlassen, fand er seinen eigenen Weg.
Erst als er die Texte und das Meditieren hinter sich ließ, fand er seinen Weg.

flamm_chikanzenji_Weg

Das hat mich am meisten bewegt.

Zum Lachen

Ich muss gestehen, eine Szene aus der Geschichte hat mich wirklich zum Lachen gebracht. Das war als Chikanzenji seine Schriften verbrannt hat. Das hat mich sehr stark an Krieg der Sterne, die letzten Jedi, erinnert, als der Geist von Yoda einen Blitz heraufbeschwört, und die alten Jedi-Schriften verbrennt.
Und erst nach dieser Verbrennung findet Luke Skywalker seinen Weg.
Diese Übereinstimmung der Geschichten kann doch kein Zufall sein 😉

Du bist dran

Die Geschichte von Chikanzenji ist wunderschön, und trägt viel Weisheit in sich. Du und ich, wir beide können bestimmt noch viel daraus lernen.

Wenn du wirklich etwas über dich selbst lernen möchtest, dann denke darüber nach, welcher Teil der Geschichte dich am meisten berührt hat. Ist es die lange Wanderschaft am Anfang, das Verbrennen der Texte oder das Jäten des Gartens?
Du wirst erstaunt darüber sein, wieviel dir das über dich selbst erzählt.

 

Ein inniges und von Herzen kommendes Danke fürs Lesen,
Christoph

 

PS.:
Wie interpretierst du diese Geschichte? Ich würde mich freuen, deine Meinung in den Kommentaren zu lesen.

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