Der Deva und der Wurm

Bist du bereit für eine wirklich tolle Geschichte, die dich zum Nachdenken bringen wird?
Dann viel Spaß bei der Geschichte: Der Deva und der Wurm.

flamm Deva Wurm

Einleitung

Ich lese sehr gerne Geschichten, das wird beim Lesen von diesem Blog klar. Es gibt sehr viele unterschiedliche Geschichten, manche sind schön, manche sind lehrreich und manche sind lustig.
Es gibt aber auch eine sehr kleine Kategorie von Geschichten, die sich dir einbrennen. Das sind die Geschichten, die tief in dir etwas berühren. Wenn du nach zehn Jahren mitten im Schlaf geweckt wirst, dann kannst du dich noch an diese Geschichten erinnern.

Und genau so eine Geschichte ist die Folgende. Sie hat etwas tief in mir berührt.
Diese Geschichte ist die letzte von 113 Geschichten aus dem Buch „Die Kuh, die weinte“ von Ajahn Brahm.

Der Deva und der Wurm

Unsere Geschichte spielt in einem fernen Land in einem buddhistischen Tempel.
Das Leben in so einem Tempel ist sehr einfach. Die Mönche haben neben der Arbeit Zeit für Kontemplation und Meditation. Die Aura der Ruhe und Gelassenheit ist an solchen Orten klar zu spüren.

Im Buddhismus glauben die Leute an Wiedergeburt. Wenn man viel meditiert, dann verlässt man den Kreislauf von Leben und Tod, und am Schluss wird man dann sogar erleuchtet.
Und die Mönche in unserem Tempel haben viel Zeit zu meditieren.

Unsere Geschichte beginnt, wie zwei junge Burschen in den Tempel kommen. Sie sind zwei Novizen, die das Leben als Mönche kennenlernen möchten.
Nach dem Probejahr beschließen beide, im Tempel zu bleiben.
Die Zeit vergeht, und die beiden werden gute Freunde. Sie sitzen oft in Stille beisammen, und sie meditieren oft miteinander.
Die Zeit vergeht, und die beiden Mönche werden älter und weiser.

Jede Lebenszeit hat Anstrengungen aber auch schöne Seiten. Die Ungestümheit der Jugend, die Erfahrung des älter werdens und die Weisheit des Alters. Aber am Ende von jedem Menschenleben steht der Tod.
Und wie unsere beiden Freunde im Tempel älter wurden, so rückte auch der Tod näher.
Die beiden hatten beide viel meditiert, und fürchteten den Tod nicht.

Der Deva

Als der erste der beiden Freunde starb, wurde er als Deva wiedergeboren. Ein Deva ist ein Engel. Während seiner Lebzeiten hatte der Mönch viel innere Ruhe und Weisheit angesammelt, deswegen wurde er als ein so hohes Wesen wiedergeboren.

Der Deva lebte fortan im Himmel, und weil er während seines letzten Lebens so gut befreundet war mit dem anderen Mönch, beobachtete er diesen von Zeit zu Zeit vom Himmel aus.

Nicht lange nach dem ersten Mönch, starb auch der zweite. Der Deva freute sich darauf, seinen alten Freund bald wiederzutreffen, denn der zweite Mönch war wahrhaft weiser gewesen als der erste, der als Deva wiedergeboren wurde. Und so musste der zweite doch auch mindestens als Deva zurückkehren.

Doch der zweite Mönch kam nicht in den Himmel. Der Deva wurde stutzig, weil sein alter Freund nicht in den Himmel kam, und do stieg er hinab auf die Erde die Inkarnation seines Freundes zu suchen.

Der Wurm

Da der Deva große Kräfte besaß, fand er seinen alten Freund, den zweiten Mönch, auch sehr schnell. Doch zu seiner Verwunderung ward der zweite Mönch wiedergeboren als Wurm.

Der Deva konnte sich das nicht erklären, doch er nahm es an voll Ruhe und Liebe.
Da der Deva voller Mitgefühl war, und weil er Zeit seines irdischen Lebens so viel Zeit mit seinem Freund zugebracht hatte, wollte er dem Wurm ein schönes Leben bereiten.

So sagt der Deva zu dem Wurm: „Lieber Wurm, ich werde dich mitnehmen in die göttlichen Gefilde.“

Doch der Wurm war davon unbeeindruckt und kroch zu seinem Lieblingsplatz, einem Misthaufen. Der Wurm kroch in den Misthaufen hinein und genoss den Gestank und die Wärme.

Der Deva lächelte nur, denn er vermutete, der Wurm habe Angst vor seiner göttlichen Erscheinung. Er schwebte zum Misthaufen, griff hinein, und holte den Wurm heraus.

Das passte dem Wurm aber gar nicht. Wieso ließ ihn dieses große weiße Wesen nicht in Ruhe. Und so krabbelte der Wurm aus der Handfläche des Deva wieder zurück in seinen geliebten Misthaufen.

Der Deva griff wieder in den Misthaufen, um den Wurm hervorzuholen. Doch der Wurm krabbelte abermals zurück.

Dieser Vorgang wiederholte sich viele Male. Der Deva wollte dem Wurm ein schönes Leben im Himmel bereiten, doch dieser wollte immer wieder zurück in den warmen, schmutzigen und übel riechenden Misthaufen.

Nach vielen Versuchen richtete sich der Deva zu seiner vollen Größe auf, und sprach zum Wurm: „Sodann mein Wurm. Ich habe versucht, dir 112 mal zu einem schöneren Leben zu helfen, doch du hast dich 112 mal dagegen entschieden. Dann lebe weiter mit deiner Entscheidung. Ich entbiete dir meine besten Grüße alter Freund.“

Und nach diesen Worten stieg der Deva wieder in den Himmel hinauf.

Geschichte, frei nacherzählt aus Ajahn Brahm: Die Kuh, die weinte.

Was will uns die Geschichte sagen?

Falmm was sagen

Das ist eine meiner Lieblingsgeschichten.
Doch ich weiß nicht, was sie genau sagen will.

Es gibt viele Interpretationen, und ich habe auch schon mit vielen Freunden darüber gesprochen. Jeder hatte dazu eine andere Meinung.

Was sagst du? Was will diese Geschichte sagen?

Als ich die Geschichte das erste Mal las, fiel mir das Buch fast aus der Hand.
Ich dachte mir, was? Dieser Ajahn Brahm stellt sich als der große Deva hin, und ich soll der kleine Wurm sein, der sich gerne im Misthaufen verkriecht. Ist dieser Mönch doch nicht so weise, sondern hat er ein großes Ego, und sieht sich selbst als fast erleuchtetes Wesen? Ich war wirklich sehr aufgebracht. Was bildete sich dieser Mönch ein, so eine Geschichte zu schreiben.

Nach meinen anfänglichen Gedanken beruhigte ich mich, und ging in mich. Wieso hatte mich diese Geschichte so aufgebracht, und wieso nahm ich an, diese Geschichte sofort verstanden zu haben. Wieso hatte ich mich sofort mit dem Wurm im Misthaufen identifiziert?

Ich wurde innerlich ruhig, und mich überkam ein seltener Moment der Klarheit.
Ich selbst war dieser Wurm, denn ich selbst hielt fest an meinem Leid. Denn wer war ich schon ohne mein Leid?

Vielleicht gibt es mehr

Der Wurm kennt nichts anderes als seinen Misthaufen. Es ist dreckig, stinkt und ist warm. Aber es ist das was der Wurm kennt, und was er mag.

Ich habe mich selbst sehr oft gefragt, ob es im Himmel schöner für den Wurm wäre als im Misthaufen?
Und kann der Wurm mit seinem beschränkten Intellekt begreifen, dass es vielleicht noch mehr gibt.

Denn vielleicht gibt es mehr.

Du siehst, worauf ich hinauswill. Vielleicht gibt es mehr im Leben, aber wir halten fest an unserem Misthaufen, weil wir uns nichts anderes vorstellen können.

Lass dich nicht blenden von deinen eigenen Vorurteilen. Gehe in dich und betrachte diese Geschichte mit deiner eigenen Weisheit.

 

Viel Spaß dabei.

 

Danke fürs Lesen,
Christoph

 

PS.:
Wie würdest du die Geschichte interpretieren? Ich freue mich darauf, deine Interpretation in den Kommentaren zu lesen.

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