Die 3 Heiligen

Die heutige Geschichte der 3 Heiligen ist eine meiner Lieblingsgeschchten. Sie zeigt auf, wie wir uns manchmal selbst einschränken. Und dadurch befreit sie! Viel Spaß beim Lesen.

Flamm Die 3 Heiligen

Die 3 Heiligen

Vor vielen Jahren kam dem Patriarchen der russischen Kirche zu Ohren, dass auf einer kleinen Insel drei Heilige wohnen sollten. Er hatte diese drei Personen nicht zu Heiligen ernannt, wieso wurden sie also von den Leuten dieser Gegend so verehrt?

Der Patriarch versuchte diese drei Personen zu vergessen, und er hoffte auch, dass die einfachen Leute aus dem Volke diese drei vergessen würden. Leider passierte aber das Gegenteil. Je länger der Patriarch wartete, desto mehr Geschichten rankten sich um diese drei ominösen Heiligen.

Und es kam der Zeitpunkt, da der Patriarch verkündete diese Heiligen auf der Insel zu besuchen. Er würde sich selbst ein Bild machen, was dort vor sich ging. So zog er aus mit einem großen Gefolge diese drei zu finden.

Der See und die Insel in diesem See waren weit im Hinterland versteckt, deswegen dauerte die Reise dorthin auch lange. Am Ufer des kleinen Sees lag ein Dorf, in dem der Patriarch mit seinem Gefolge sein Lager aufschlug.

Die Leute aus dem Dorf kannten die drei angeblichen Heiligen. Sie wohnten auf einer kleinen Insel mitten im See. Da es in dem Dorf aber nur ganz wenige Boote gab, entschied der Patriarch, alleine auf die Insel zu fahren. Zwei Diener ruderten ihn auf die Insel, und er befahl ihnen, in sieben Tagen wiederzukehren, um ihn wieder abzuholen. In einer Woche würde er ganz gewiss wissen, was es mit diesen Personen auf sich hatte.

Der Patriarch ging einen kleinen Pfad vom Strand in die Insel hinein. Dort fand er auch sofort eine kleine Hütte. Vor dieser Hütte saßen drei einfache Bauern, die über einem Lagerfeuer ihr Essen kochten.

Der Patriarch stellte sich sogleich vor, und verlangte: „Auf dieser sollen drei Heilige leben. So sollen sie mich zu diesen drei Heiligen bringen.“

Die drei Bauern blickten sich nur verwirrt an und antworteten: „Aber Herr. Auf dieser Insel wohnen nur wir drei sonst niemand.“

Der Patriarch war verwirrt. Die Einwohner des Dorfes hatten ihm versichert, dass auf dieser Insel die drei Heiligen wohnten. Und nun sagten ihm diese schäbigen Bauern, dass sie die einzigen auf dieser Insel seien.
Konnten diese drei einfachen Bauern die drei Heiligen sein, um die sich so viele Geschichten rankten? Nein, das konnte nicht sein. Diese drei Bauern wirkten so einfach. Das war unmöglich.
Der Plan des Patriarchen sah vor, die drei Heiligen auf Herz und Nieren auszufragen, ob sie diesen Titel denn auch verdient hätten. Aber jetzt, was sollte er tun? Jetzt waren nur diese drei Bauern hier.

Diese drei Bauern konnten unmöglich die drei Heiligen sein. Aber was sollte der Patriarch tun, er musste eine Woche warten, bis ihn das Boot wieder abholte, also musste er eine Woche mit den drei Bauern verbringen.

Die drei Bauern waren sehr freundlich und hilfsbereit, sie luden den Patriarchen ein, in ihrer Hütte zu schlafen und mit ihnen zu essen. Dieses Angebot nahm der Patriarch gerne an.

Am Abend vor dem Schlafen beteten die drei. So ein Gebet hatte der Patriarch noch nie gehört, deswegen fragte er nach, was die drei da taten. Und so kam die Antwort: „Herr. Niemand hat uns beigebracht zu beten. Deswegen haben wir selbst ein Gebet gemacht. Gott, du bist drei. Gott Vater, Sohn, und heiliger Geist. Gott, wir sind drei. Deswegen danken wir dir.“
„Was, das ist euer Gebet? Das ist doch vollkommen schwachsinnig!“, entgegnete der Patriarch. Und da der Patriarch ein sehr frommer und gebildeter Mann war, brachte er den drei Bauern ein langes und schwieriges Gebet bei.

Das Gebet war wirklich lange, und so brauchte der Patriarch die gesamte Woche, ihnen das Gebet beizubringen.
Am letzten Tag fragte er nochmals: „Und könnt ihr nun das Gebet? Heute muss ich euch verlassen.“ Die drei Bauern bejahten dies, und bedankten sich für seinen Besuch.

Der Patriarch dachte sich insgeheim. Die drei Heiligen hatte er nicht gefunden. Diese drei Bauern, die Schwierigkeiten hatten, sein Gebet zu lernen, waren es sicherlich nicht. Aber zumindest hatte er diese drei einen Schritt näher zu Gott gebracht. Und er hatte widerlegt, dass es diese drei Heiligen gab. Das war auch eine große Errungenschaft.

Der Patriarch stand am Strand der kleinen Insel und wartetet auf das Boot. Es kam und nahm ihn wieder zurück zu dem Dorf am Rande des Sees.

Während der Überfahrt zurück zum Dorf passierte etwas Unerwartetes. Etwas sehr Unerwartetes.

Einer der drei Bauern schrie ihm nach. Der Patriarch drehte sich um, und dann sah er es.

Einer der drei Bauern lief über das Wasser. Als er bei dem Boot ankam, sagte er außer Atem: „Herr. Entschuldigt bitte. Ich habe schon wieder die letzte Strophe des Gebets vergessen. Könnt ihr sie mir noch ein letztes Mal sagen?“

Der Patriarch traute seinen Augen nicht. Da stand einer der Bauern vor ihm auf dem Wasser, und fragte ihn nach dem Gebet.

Und da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.

Diese drei Bauern waren wahrhaft drei Heilige.

In ihrer Selbstgenügsamkeit, in ihrer Demut, in der einfachen Freude des Lebens, in ihrer Freundlichkeit, in all diesen Dingen sah man, wer sie wirklich waren. Doch er war blind gewesen von seiner eigenen Engstirnigkeit.

Geschichte, frei nacherzählt aus Osho, Be still and know

Wir sind blind

Das ist eine meiner Lieblingsgeschichten. Sie ist einfach wundervoll.

Der Patriarch ist so blind, geblendet von seiner eigenen Meinung, wie die Welt sein sollte, dass er nicht sieht, wie die Welt wirklich ist.

Dieser Patriarch ist ein Bild für uns. Wir glauben zu wissen, was richtig und was falsch ist. Aber wissen wir es wirklich? Oder glauben wir, es zu wissen? Das ist ein fundamentaler Unterschied. Zu oft verwechseln wir unsere Meinung über die Welt mit dem was wirklich ist. Zu oft lassen wir uns von uns selbst blenden.

Der Patriarch glaubte von vorne herein nicht an diese drei Heiligen. Wie konnten sie auch heilig sein? Nicht einmal er selbst war heilig, obwohl er der oberste der Kirche war. Wie konnten es dann diese drei einfachen Leute sein.

Je mehr wir wissen, desto mehr schränken wir uns ein. Je mehr wir wissen, desto mehr nehmen wir uns die Möglichkeit, Dinge zu erleben. Desto mehr nehmen wir uns die Möglichkeit glücklich zu sein.

Sei wie ein Kind

Wie betrachtet ein Kind die Welt? Jeder Wurm ist ein Wunder für das Kind. Jeder Wassertropfen, jede Schnecke, jeder Regenbogen ist ein Wunder für das Kind. Das Kind hat keine Vorurteile. Es wird nicht belastet durch sein eigenes Wissen.

Und so sollten wir auch sein.

Sei wie ein Kind!

Lass dich nicht blenden von deinen eigenen Vorurteilen. Versuche die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist.

Erlebe jeden Tag die Wunder dieser Welt.

Erlebe jeden Tag die Freude und das Glück.

Flamm die 3 Heiligen

Ich lade dich jetzt ein, selbst über diese Geschichte nachzudenken! Und lass dich dabei nicht blenden von deinen eigenen Vorannahmen.

Viel Spaß dabei.

Viel Spaß dabei die Welt zu erleben, wie sie wirklich ist.

 

Danke fürs Lesen,
Christoph

 

PS.:
Hast du auch Erlebnisse damit, die Welt mit Kinderaugen zu betrachten? Ich würde mich freuen, darüber in den Kommentaren zu lesen.

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