Das Mädchen mit dem Schirm

Lerne Grenzen zu ziehen

Damit du Liebe und Güte an andere weitergeben kannst, musst du zuerst Liebe und Güte dir selbst entgegenbringen. Dazu gehört auch das klare Ziehen von Grenzen zu deinem eigenen Schutz.

Dazu heute die inspirierende Geschichte von dem Mädchen mit dem Schirm.

Flamm Mädchen Schirm Grenzen Titel

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Das Mädchen mit dem Schirm
Kapitel 2: Was liegt hinter den Worten?

Das Mädchen mit dem Schirm

Vor langer Zeit lebte in Thailand ein Mädchen. Sie war die Tochter eines reichen Kaufmanns. Und schon vorausblickend auf ihre Hochzeit, schickte ihr Vater sie zur Ausbildung zu einem buddhistischen Meister, so wie es Brauch war.

Das Mädchen war hübsch, und bekannt für seine Sanftheit. Das Mädchen konnte keiner Fliege was zuleide tun. Um sich vor der Sonne zu schützen, die in Thailand ja sehr stark scheint, ging das Mädchen überall mit ihrem Sonnenschirm hin. Und so wurde sie weithin einfach das Mädchen mit dem Schirm genannt.

Flamm Mädchen Schirm 2

Neben ihrer Schönheit war sie auch sehr klug. Sie lernte sehr schnell, und der Meister, bei dem sie in die Lehre ging, war sehr zufrieden mit ihr. Bei dem Meister lernte sie viele Dinge, unter anderem auch Vipassana und Metta Bhavana Meditation. Sie war also geübt darin, ihre eigenen Gedanken zu beruhigen, und sie empfand Liebe und Güte für alle Personen und Lebewesen.

So wuchs sie heran, und wurde zu einer hübschen jungen Frau, die weithin bekannt und gemocht wurde. Das Leben könnte so schön sein, doch für jeden von uns hat das Leben seine eigenen Herausforderungen parat. Und für das kleine Mädchen beziehungsweise die junge Frau war diese Herausforderung der Obstverkäufer.

Flamm Mädchen Schirm Obstverkäufer

Jeden Tag auf dem nach Hause Weg nach der Ausbildung bei Ihrem Meister kaufte das Mädchen für das Abendessen mit ihren Eltern Obst und Gemüse. Doch den Obstverkäufer konnte sie nicht leiden. Er war ein Mensch, der sie immer aus gierigen Augen anblickte. Früher hatte er sie oft an den Haaren gestreichelt, aber je älter sie wurde, desto weiter glitten seine Hände nach unten. Und das wollte sie nicht. Das wollte sie ganz und gar nicht.

Das Mädchen war hin und her gerissen. Sie wusste von ihrem Meister, dass gerade verletzte Personen andere verletzen, wobei sie sich in ihrem Innersten doch nach Heilung sehnten. Und so wie sich der Obstverkäufer verhielt, war er eine sehr sehr verletzte Person.
Sie dachte, vielleicht liegt ja der Fehler bei mir, und ich gebe ihm falsche Zeichen.
Und so praktizierte sie jeden Tag Metta Bhavana, die Meditation des mitfühlenden Herzens, für den Obstverkäufer, damit ihr Herz weicher werden würde, und er endlich Heilung finden würde.

Aber es half alles nicht. Er betatschte sie weiterhin.

Aber eines Tages riss ihr der Geduldsfaden, und das Mädchen nahm ihren Schirm und schlug auf den Obstverkäufer ein. Dieser stolperte und viel rückwärts aus seinem Geschäft hinaus, das Mädchen folgte ihm mit hoch erhobenem Schirm auf die Straße. Draußen schlug sie weiter auf ihn ein.

Sie erschrak und hielt mitten in der Bewegung ein, als sie sah, dass ihr Meister hinter ihr stand.

Flamm Mädchen Schirm Meister

Ihr Meister lächelte nur und sagte: Sei achtsam bei jedem Schlag, und fühle genau was in dir und deinem Gegenüber vorgeht.

frei nacherzählt aus: Geschichten des Herzens – von Jack Kornfield

Was liegt hinter den Worten?

In buddhistischen Texten wird immer von der Ausbildung von Liebe und Güte gesprochen. Aber bevor wir diese Dinge an andere weitergeben, müssen wir sie in uns selbst kultivieren.

Und zu der Selbstliebe gehört auch, Grenzen zu ziehen, um sich selbst zu schützen. Wenn man anderen helfen will, dann muss man zuallererst auf sich selbst schauen. Und das ist kein Egoismus!

Das Mädchen wollte dem Obstverkäufer helfen, doch sie musste zuerst lernen, sich selbst zu lieben und Grenzen zu ziehen.

In unserer Gesellschaft wird der Begriff Nächstenliebe sehr unterschiedlich gelebt. Manche praktizieren unter diesem Deckmantel Egoismus und andere wiederum opfern sich regelrecht für andere auf. Die Gründe für diese Pervertierung in beide Richtungen sind leider vielfältig, und deren Erklärung ist nicht ds Ziel des Heutigen Artikels.

 

Ich wiederhole nochmals, falls du anderen Liebe und Güte zu teil werden lassen möchtest, dann musst du zuerst Liebe und Güte in dir selbst kultivieren. Und dazu gehört auch, Grenzen zu deinem Selbstschutz abzustecken. Was dürfen andere Leute tun, und was dürfen sie nicht tun.

Dieser Vorgang des Grenzen setzens ist am Anfang schwierig, aber unerlässlich für dein Leben in Liebe, Freude und Güte.

Vergiss niemals, du bist der wundervollste Mensch auf dieser Erde. Du kannst das Ganze Universum erforschen und wirst niemanden finden, der mehr der Liebe wert ist als du selbst!

Flamm Mädchen Schirm Liebe

 

Danke, dass ich ein Stück deines Weges mit dir gehen durfte,
Christoph

 

PS.:
Was sagst du zu der Geschichte und zu meinen Gedanken? Ich würde mich freuen, deine Meinung in den Kommentaren zu lesen.

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