Mein Sak Yan – Eine Geschichte über das Loslassen

Hast du das schon mal gehört? Wenn du etwas wirklich möchtest, dann sollst du aufhören es zu begehren, und dann bekommst du es.

Ich habe diesen Satz immer für einen riesen Blödsinn gehalten, bis ich selbst einmal die Kraft des Loslassens erlebt habe. Und es hat mich verändert.

Wir verfolgen verbissen unsere Ziele und Wünsche. Deswegen vergessen wir manchmal wie schön das Leben ist. Davon handelt die folgende Geschichte.

Flamm Loslassen Sak Yan Tempel

Meine Geschichte

Die Geschichte fing an, wie eine andere endete. Nämlich auf dem Heimflug nach meinem ersten Thailandbesuch. Am Flughafen kratzte ich meine letzten Baht (thailändische Währung) zusammen, und kaufte mir ein Buch mit dem Titel: Sacred Tattoos of Thailand (Text by Joe Cummings, Photography by Dan White). Übersetzt heißt das: Die heiligen Tattoos von Thailand. Und ich war von Anfang an verzaubert.

Sak Yan

Das Buch befasste sich mit Sak Yan. Das sind klassische thailändische Tätowierungen. Sak ist das thailändische Wort für Tätowierung. Yan ist die thailändische Aussprache vom Pali/Sanskrit Wort Yantra, was so viel heißt wie heiliges oder magisches Muster.

Diese Tätowierungen sind tief in der thailändischen Kultur verwurzelt. Der Sage nach verleihen sie dem Träger magische Fähigkeiten. Für mich war sofort klar, so ein Tattoo möchte ich auch haben.

Aber wie schon gesagt, dieser Gedanke kam mir auf dem Flug von Bangkok nach Wien. Das war wohl etwas spät. Und so sagte ich mir, ich würde nach Thailand zurückkehren, um so ein magisches Tattoo zu bekommen.

Ein Jahr später

Und so begab ich mich ein Jahr später wieder nach Thailand. Im Gepäck hatte ich den Vorsatz, ein Sak Yan zu bekommen. Ich hatte nicht viel geplant, weil wie schwer konnte es schon sein, so ein Tattoo zu bekommen.

Nun ja, die Antwort war sehr schwer. Sehr sehr schwer.

Jeder, der schon mal in Thailand war, kann bestätigen, das Reisen dort ist sehr einfach. Die Haupttouristen Wege sind einfach zu bereisen, und man kommt schnell von A nach B. Weiters sind die Leute dort sehr nett und hilfreich.
Wenn man aber etwas Ausgefallenes sucht, und kein Thai spricht, trifft man sehr schnell auf Probleme. Ich zum Beispiel, habe es in einem riesigen Shoppingcenter nicht geschafft, eine einfache weiße Hose für meinen Tempelaufenthalt zu finden, weil mich keiner der Angestellten dort verstand.

Und genauso war es, als ich einen Tätowierer suchte. In Thailand gibt es in den Touristengebieten an jeder Straßenecke ein Tattoostudio mit Sak Yan. Aber ich wollte ein Sak Yan aus einem Tempel. Für mich als Ausländer war es fast unmöglich so ein Tattoo zu bekommen.

Mein Plan

Mein Plan war sehr einfach. Am Ende meines Aufenthalts wollte ich zwei Wochen in Chiang Mai verbringen. Eine Woche im Tempel, und eine Woche reserviert für mein Sak Yan.

Einen Monat im Voraus, habe ich mir einen Platz im Hostel Spicy Thai Backpackers in Chiang Mai reserviert. Das Hostel kann ich nur jedem empfehlen, weil der Besitzer Noome wirklich Alles und Jeden dort kennt, und sehr nett und hilfreich ist. So habe ich ihm einen Monat vorher geschrieben: Hallo Noome. Ich hätte gerne ein Sak Yan von einem Tempel, kannst du das organisieren? Zurück kam ein: Hallo Christoph. Wie freuen uns, dass du wiederkommst. Das Sak Yan ist kein Problem.

Und so kam ich dann auch nach Chiang Mai in das besagte Hostel. Ich brachte meinen Rucksack in das Hostel und fragte bei Noome nochmal wegen dem Sak Yan nach.
Eigentlich hätte ich sehr stutzig werden sollen, als er sagte, er hatte das leider vergessen, aber er würde das gleich am nächsten Tag klären.

Ich beschäftigte mich nicht weiter damit, weil am nächsten Tag ging ich für eine Woche ins Kloster.
Eine Woche schweigen und meditieren. Für mich gibt es nichts Schöneres.

Es wird eng

Eine Woche später kam ich tiefenentspannt wieder zurück in das Hostel. Nach einer Woche Tempel (Wat Phra That Doi Suthep) ist man ziemlich entspannt, und so nahm ich es sehr gelassen, dass Noome noch immer nichts organisiert hatte.

Nachdem ich Noome hinreichend genervt hatte, kontaktierte er anscheinend einen bekannten Mönch wegen dem Sak Yan für mich.

Leider war der heutige Tag unpassend, morgen hätte der Mönch aber sicher Zeit für das Tattoo.
Ich kannte die thailändische Arbeitsmoral. Diese Personen sind sehr entspannt, und lassen sich meistens sehr viel Zeit. Deswegen hatte ich auch eine Woche Reserve eingeplant.

Und so fragte ich jeden Tag nach, wie es denn mit meinem Sak Yan Termin stand. Und jeden Tag wurde ich vertröstet. Nein, heute sei es schlecht, morgen sei besser.

Noch 5 Tage Zeit. Nein heute hat der Mönch keine Zeit.
Noch 4 Tage Zeit. Nein heute muss der Mönch jemand besuchen.

Irgendwie wurde ich schon langsam nervös. Es würde nichts bringen Noome noch mehr zu ärgern. Bis jetzt hatte er mir noch immer geholfen, deswegen vertraute ich ihm.

Noch 3 Tage Zeit. Nein heute musste der Mönch etwas anderes erledigen.
Noch 2 Tage Zeit. Nein heute war Thai Feiertag, da hatte der Mönch keine Zeit.

Ich wurde nervös. Den Urlaub hatte ich mir hart aus Überstunden zusammengespart.
Wann könnte ich das nächste Mal wieder nach Thailand kommen? War mir das Sak Yan wirklich so viel wert?

Noch 1 Tage Zeit. Nein heute war auch schlecht. Das sollte wohl ein Scherz sein. Noome sagt mir, morgen, am Tag meiner Abreise, hätte der Mönch ganz sicher Zeit. Gleich in der Früh um 08:00 könnte ich zu ihm fahren.

Und so überlegte ich, könnte ich Noome vertrauen, dass sein angeblicher Mönchsfreund wirklich Zeit für mich hätte. Nun ja, die Zeichen standen schlecht. Ich war schon eine ganze Woche hingehalten worden. Und 08:00 war wohl ein Scherz. Welcher anständige Thai war schon zu so einer frühen gottlosen Zeit munter.

Meine Alternative war einfach. Ich könnte sofort mit dem Zug nach Bangkok fahren, dann hätte ich noch einen vollen Tag dort. Und angeblich gab es im Südwesten von Bangkok einen Tempel, der täglich Sak Yan machte. Aber ich hatte dort keine Person, die mir dabei helfen konnte.

Die Entscheidung war schwierig: Sofort nach Bangkok zurück, und dort vielleicht den Tempel finden. Oder auf Noome und seinen Freund vertrauen.

Die Entscheidung wurde noch zusätzlich durch meinen Zeitplan erschwert. Da ich für das Sak Yan alles nach hinten verschoben hatte, hatte ich keinen Puffer. Der folgende Tag war schon geplant:
15:00 Abfahrt vom Hostel zum Bahnhof Chiang Mai
16:00 Abfahrt Zug Chiang Mai nach Bangkok
08:00 Ankunft in Bangkok, die normale Verspätung eingerechnet also ca 11:00
15:00 Abflug Bangkok nach Wien
Da gab es keinen Puffer. Ich war auf dem zeitkritischen Pfad.

Was hättest du an meiner Stelle getan?
Auf Noome vertraut, oder dein Glück in Bangkok versucht?

Loslassen

Die Entscheidung war schwer, aber ich habe mich entschieden, Noome zu vertrauen.

Und so schlief ich einen sehr unruhigen Schlaf und war um 06:00 munter.

Um 07:00 war ich noch immer die einzige muntere Person im Hostel, und von Noome war weit und breit keine Spur.

Es war 08:00, und in mir war eine komische Mischung aus Wut, Hilflosigkeit und Hoffnung. Langsam wachten auch die anderen Hostel Bewohner auf. Sie kannten alle meine Geschichte, und fragten wieso ich noch nicht unterwegs war.

09:00. Ich saß auf der Couch im Allgemeinraum und verspürte eine Mischung aus Wut und Verzweiflung. Wieso hatte ich Noome nur vertraut. Ich bereute meine Entscheidung, nicht in Bangkok mein Glück versucht zu haben.

09:30. Vielleicht vielleicht kam Noome ja doch noch. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

09:45. Rein zeitlich gesehen ist 10:00 der Point of no return. Danach wäre es zeitlich unmöglich, dass ich das Tattoo bekomme, und es noch zum Zug schaffe.

09:55. Die Zeit vergeht unendlich langsam.

10:00. Ich resigniere. Ich bin nicht wütend. Ich bin traurig. Ich hatte mich ein Jahr lang auf das Tattoo gefreut, und hatte es nicht geschafft, eines zu bekommen. Ich war nur wegen dem Sak Yan zurückgekommen, und alles war umsonst gewesen.

Ich war traurig und verloren. Manchmal ist es hart, der Realität ins Auge zu blicken.

Aber das Alles war Jammern auf hohem Niveau. Es war das Ende eines einmonatigen Thailand Urlaubs. Mir ging es gut, und ich würde schon wieder mal nach Thailand kommen.

Wie im Traum

An diese Stunden kann ich mich noch sehr genau erinnern, weil sie sich sehr in die Länge gezogen haben. Aber an das, was danach kam, kann ich mich nicht mehr so gut erinnern, denn ich habe mich benebelt gefühlt, wie in einem Traum.

Um 10:45 kommt Noome gut gelaunt, und fragt wieso ich so traurig dreinschaue. Draußen steht ein Tuktuk, dass mich zum Tätowierer und Tempel bringen soll. Der Fahrer kennt die Adresse nicht, aber er versucht trotzdem sein Glück. Wir fahren eine dreiviertel Stunde mit dem Tuktuk. Ich habe keine Ahnung wo wir sind. Ich orientiere mich an der Sonne. Wir sollten irgendwo im Nordosten von Chiang Mai sein. Wir biegen in einen Hinterhof, wo Hunde und Hühner einfach so herumlaufen.

Und dort in diesem Hinterhof, wo die Tiere einfach so herumliefen, war der Tempel, wo ich mein Sak Yan bekam. Dort fand meine Reise ein Ende.

Mein Sak Yan – Haa Thaew

Ich kann nicht beschreiben, wie glücklich ich letzten Endes war, doch noch ein Sak Yan bekommen zu haben.

Nachdem ich losgelassen hatte, wurde mir mein Wunsch erfüllt.

Und das ist mein Sak Yan. Es ist ein klassisches Haa Thaew.

Flamm Loslassen Sak Yan Rücken

Solange ich mich an 5 einfache Gebote halte, verleihen mir die 5 Linien (das sind 5 Zaubersprüche) magische Kräfte.

Die Leute fragen mich oft, welche Kräfte das sind, aber auf diese Frage lächle ich nur.
Aber wer weiß, vielleicht erzähle ich das auch mal hier in diesem Blog.

Was habe ich gelernt?

Ich war so versessen darauf dieses Sak Yan zu bekommen, dass ich viele Dinge vernachlässigt habe. Ich bin eine ganze Woche in Thailand nur im Hostel herumgesessen. Was?

Ja, ich war eine ganze Woche nur im Hostel oder in dessen Nähe. Und in Chiang Mai gibt es so viele Dinge zu erleben. Aber die habe ich alle nicht gesehen.

Und noch besser. Ich war die ganze Zeit über mies drauf. Rückblickend habe ich das sehr gut gemacht (Das war Sarkasmus). Ich war eine Woche in Chiang Mai in Thailand im Hostel, und war ganze Zeit mies drauf.

Ich war so vernarrt in mein Sak Yan, und habe mir gedacht: Morgen, morgen, ja morgen bekomme ich es sicher. Und wenn ich es nicht bekomme, dann bin ich böse und mies gelaunt. Und nebenbei habe ich alles andere ausgeblendet.

Ich habe gelernt, dass es nicht gut ist, verbissen und total fixiert auf seine Ziele zu leben.
Man sollte loslassen, und durch die Leichtigkeit, die sich dadurch ergibt, bekommt man sogar noch mehr, als man ursprünglich wollte.

Viele werden sagen: aber ich kann doch nicht meine Ziele loslassen, was werden die anderen dann sagen und von mir denken?
Ich sage: Vergiss die Anderen. Es ist dein Leben. Deswegen solltest du es leben.

Was ist wenn morgen nie kommt?

Wir alle haften so vielen Dingen an. Wir alle begehren so viele Dinge. Wir alle haben so viele Ziele.
Und wenn wir diese Dinge erst einmal erreicht haben, dann ändert sich unser Leben.

Jeder kennt die folgenden Gedanken:

Wenn ich diese Beförderung erhalte, dann bin ich glücklich.

Wenn ich xxx.xxx € auf meinem Konto habe, dann kann ich es im Job ruhiger angehen.

Wenn ich mehr Zuwendung von meiner Freundin bekomme, dann bin ich glücklich.

Aber was ist, wenn diese Dinge nicht eintreten?
Was ist, wenn morgen nie kommt?

Was ist, wenn morgen nie kommt?
Dann sind wir traurig, wütend oder ungehalten.

Was ist, wenn morgen nie kommt?
Es wird immer ein neues morgen geben. Immer ein neues Ziel, und so laufen wir immer Dingen nach

Was ist, wenn morgen nie kommt?
Morgen wird NIE kommen. Wir sollten das Leben niemals auf später verschieben. Wir sollen jetzt leben.

Diese Zeilen sind sehr schmerzhaft. Weil jeder weiß, was ich meine.
Gehe in dich, und denke darüber nach welche Ziele du verfolgst. Gehe in dich, was wirst du tun, wenn du diese Dinge erst erreicht hast? Tu diese Dinge jetzt!

Morgen kommt nie, deswegen sollten wir jetzt glücklich sein.
Wir sollten jetzt glücklich sein, unabhängig davon, ob wir befördert werden oder nicht.

Wir sollten es im Job ruhiger angehen, auch wenn wir noch nicht Unmengen auf dem Konto liegen haben.

Wir sollten glücklich sein, unabhängig von der Zuwendung von außen.

Wir sollten jetzt glücklich sein mit unserem Leben.
Unabhängig davon, ob unsere Wünsche erfüllt werden oder nicht.
Unabhängig davon, ob unser Begehren befriedigt wird oder nicht.

Wir sollten jetzt glücklich sein, nicht morgen.
Wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, was wirklich wichtig ist im Leben:
Liebe, Gesundheit, Familie, Freunde.

Jeder von uns ist ein wundervoller Mensch, und das sollten wir ausleben. Nichts weniger.

 

Danke fürs Lesen,
Christoph

 

PS.:
Hast du auch Erlebnisse mit dem Loslassen? Ich würde mich freuen, darüber in den Kommentaren zu lesen.

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