Positiver Egoismus – oder wieso du dich selbst lieben solltest

Als ich in Thailand im Tempel war, sagte mein Lehrer zu mir: Wenn du anderen Leuten das Glück zeigen willst, dann musst du zuerst selbst glücklich sein. Was meinte er damit?

Die offensichtliche Nachricht ist klar, aber diese Aussage hat noch eine viel tiefere Botschaft: Sei egoistisch!

Flamm positiver Egoismus Teacher

Sei egoistisch!

Was?

Viele werden jetzt denken, Was? Das geht ja gar nicht. Man darf nicht egoistisch sein. Man muss lieb und nett zu seinem Nächsten sein. Und ich sage, das ist vollkommener Blödsinn!

Es ist wichtig, auf sich selbst zuerst zu schauen. Und wenn man diese Selbstliebe achtsam praktiziert, wird sich daraus auch Liebe für andere entwickeln.

Zur Erklärung dieser Worte muss ich weiter ausholen.

Egoismus ist schlecht, oder?

Egoismus ist in unserer Gesellschaft sehr stark negativ behaftet. Schon von Kindheit an wird uns beigebracht, brav und angepasst zu sein. Egoismus sei etwas Böses.
Das wird uns von der Gesellschaft beigebracht, weil die Gesellschaft besser funktioniert, wenn wir nett zueinander sind.
Leider hinterfragen wir viele unserer anerzogenen Handlungsweisen nicht, und das ist auch beim Egoismus so.

Egoismus ist schlecht, so lautet die allgemein anerkannte Meinung.

Aber ich frage dich: Stimmt das wirklich? Fühle in dich hinein? Stimmt dieser Satz wirklich, oder wurde er dir beigebracht, und du wiederholst ihn nur?
Glaube nur das, was du selbst hinterfragt hast. Glaube nur das, was du selbst erlebt hast.

Um wahres Glück und wahre innere Ruhe zu erlangen, ist es wichtig unsere Überzeugungen und Glaubenssätze zu hinterfragen, auch wenn das schmerzhaft ist.
Und genauso ist das mit dem Egoismus.
Wenn du länger darüber nachdenkst, wirst du sehen, dass Egoismus sehr wichtig ist.

Und es kommt darauf an, wie wir diesen Egoismus leben.

Positiver Egoismus

Tief in ihrem Herzen sind die meisten Menschen egoistisch. Doch sie tarnen diesen Egoismus, indem sie den Gutmenschen mimen. Das ist schlechter Egoismus. Aber es gibt auch positiven Egoismus.

Erst kürzlich erschien eine Studie über Werte, die im Standard ausführlich diskutiert wurde (Zum Artikel bitte hier klicken). In der Studie gaben 90% aller Befragten an, dass Humanismus ein wichtiger Wert für sie sei. Humanismus wird in der Studie unter anderem erklärt als Hilfsbereitschaft und dem Wohlergehen anderer.
Also 9 von 10 Leuten sollten hilfsbereit sein. Wenn ich an die derzeitige Flüchtlingsproblematik denke, frage ich mich, wo sind diese 9 von 10 Leuten. Oder gilt dieser Humanismus nur in anderen Bereichen?
Es ist natürlich wunderschön bei einer Studie zu sagen, man sei Humanist. Das ist Balsam für das Ego. Aber wird das auch wirklich gelebt? Nein. Was die Leute bei einer Studie sagen, und was sie wirklich leben, sind zwei vollkommen verschiedene Dinge. Genauso ist das beim Egoismus.

Aber es gibt auch positiven Egoismus.
Diesen Ausdruck habe ich zum ersten Mal in einem Buch vom Dalai Lama gelesen: Der Weg zum Glück.

Der Dalai Lama schreibt darin, dass es von essentieller Wichtigkeit ist, auf sich selbst zuerst zu achten.
In dem Buch wird der Umgang mit allen Lebewesen beschrieben. Dieser sollte wie folgt sein:

  • Wertschätzend: Jedes Lebewesen ist voller Wert. Unabhängig von Rasse, Aussehen und Stand.
  • Liebevoll: Jedes Lebewesen sollte voller Liebe behandelt werden.
  • Achtsam: Der Umgang mit allen Lebewesen sollte achtsam sein. Achtsam nach innen und achtsam nach außen.
  • Nachhaltig: Diesen Punkt habe ich selbst dazugefügt. Mit ihm ergibt sich die Abkürzung WLAN. Das habe ich sehr lustig gefunden. WLAN in Zusammenhang mit positivem Egoismus ist so absurd, dass es eine ganze einfache Eselsbrücke zum Merken ist.

Und ganz besonders sind diese Regeln für den Umgang mit SICH SELBST anzuwenden! Diese Regeln werden zusammengefasst als positiver Egoismus bezeichnet.

Dieses Buch habe ich vor langer Zeit gelesen. Und irgendwie fiel mir danach ein Stein vom Herzen.
Wenn selbst der Dalai Lama über Egoismus sprach, dann musste sehr viel dahinter sein.

In dieser Definition von Egoismus steckt, dass man zuerst auf sich selbst schaut, und danach auf Andere.
Zwei Dinge sind daran wichtig: Zuerst man selbst, und dann die Anderen. Dabei darf man die Reihenfolge nicht vertauschen, und auch keinen vergessen. Einige Leute vergessen leider die Anderen, und manche Leute setzen die Anderen an erste Stelle. Das funktioniert beides nicht.

Und genau das hat mein Lehrer im Tempel in Thailand gemeint. Es ist wichtig, zuerst auf sich selbst zu schauen, und dann auf die Anderen.
Nur wenn ich selbst glücklich bin, kann ich anderen helfen, glücklich zu werden.

Aber der Weg dorthin war nicht einfach, ich selbst habe sehr viele Irrwege beschritten, wie der folgende Abschnitt zeigt.

Meine persönlichen Erlebnisse

Ich selbst habe jahrelang folgende Verhaltensweise praktiziert: Ich war immer lieb und nett zu anderen. Ich wollte es allen anderen recht machen. Für meine ersten Freundinnen habe ich mich regelrecht aufgegeben.
Eigentlich wollte ich durch diese Hingabe und Selbstaufgabe nur Liebe erpressen.
Ja, ich habe mich selbst nicht geliebt, und durch diese Selbstaufgabe wollte ich von anderen geliebt werden. Hey, ich mache das, das und das für dich. Du musst mich jetzt lieb haben, weil ich so viel für dich mache.
Aber so funktioniert das nicht. Die fehlende Liebe im Innen kann nicht durch die erpresste Liebe im Außen ersetzt werden. Das wird niemals möglich sein.

Für viele Leute ist das jetzt ein Schlag ins Gesicht. Und viele Personen werden genau jetzt aufhören diesen Blog zu lesen. Aber das stimmt.
Es ist ein weit verbreitetes Handlungsmuster, die fehlende Selbstliebe durch erzwungene Liebe von Außen zu ersetzen. Und ich wiederhole, das funktioniert niemals.

Du kannst es probieren, du kannst dich selbst täuschen und ablenken. Aber wenn du nachts alleine im Bett liegst, werden deine Zweifel zurückkommen.

Durch die Konditionierung unserer Gesellschaft wird uns beigebracht, dass wir zu wenig sind. Uns wird beigebracht, dass wir zu wenig sind, und dass wir hart arbeiten und viel leisten müssen, damit wir Wert bekommen. Von Anfang an sind wir wertlos, und wir müssen uns durch Leistung selbst wert geben. Durch Leistung im Job bekommen wir Wert in der Gesellschaft. Durch Liebesdienste gegenüber unserem Partner bekommen wir Wert in der Beziehung.

Aber das ist vollkommener Blödsinn. Das wurde uns beigebracht, um uns klein zu halten.

Es war eine Erlösung für mich, als ich begann egoistischer zu sein. Das war eine große Überwindung für mich. Aber die Leute in meinem Umfeld reagierten alle positiv darauf. Durch meinen Egoismus war ich selbst besser gelaunt. Und durch meine bessere Stimmung, war auch mein ganzes Umfeld besser gelaunt.
Das hätte ich früher nie für möglich gehalten, aber es hat funktioniert.

Flamm positiver Egoismus

Und wenn es bei mir funktioniert hat, dann funktioniert es auch bei dir.

Und vergiss keinen der beiden Schritte: Zuerst du selbst, und dann die Anderen.

Jeder Mensch ist voller Wunder

Es liegt an uns, unsere alten Glaubenssätze (bezüglich Egoismus und Selbstliebe) zu hinterfragen. Es liegt an uns diese Dogmen niederzureißen. Und hinter dieser Mauer der alten Glaubenssätze werden wir ein Feld voller Liebe und Freude finden.

Mit Achtsamkeit und Behutsamkeit müssen wir unsere Glaubenssätze hinterfragen, und dann werden wir erleben (ja wir werden erleben!), dass wir tief in uns wundervolle Wesen sind.

Jeder Mensch ist ein wundervolles Wesen. Jeder Mensch ist voller Wunder. Jeder Mensch ist einzigartig. Jeder Mensch ist in seinem Naturzustand voller Liebe für sich selbst und andere. In seinem natürlichen Zustand ist jeder Mensch voller Liebe.
Und es liegt an uns, wieder zu diesem Zustand zu kommen.

Liebe dich selbst, weil du bist ein wundervoller Mensch. Dein Potential ist grenzenlos. Du bist unendlich. Du bist wundervoll.

 

Danke fürs Lesen,
Christoph

 

PS.:

Für die, die es genau wissen wollen: Der vielzitierte Tempel in Thailand war der Wat Phra That Doi Suthep in Chiang Mai.

Und mein Lehrer sagte damals im Original zu mir: If you want to teach others to be happy, you have to be happy first.

Hast du auch schon mal Dinge für andere getan, damit sie dich netter behandeln? Oder warst du auch mal egoistisch, und andere haben es positiv aufgenommen? Ich würde mich freuen von deinen Erkenntnissen und Erlebnissen in den Kommentaren zu lesen.

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Ein Kommentar zu “Positiver Egoismus – oder wieso du dich selbst lieben solltest
  1. Tine sagt:

    Man kann bzw soll egoistisch sein???
    Deine Erklärung klingt ja ganz einleuchtend, aber dass Egoismus etwas positives ist, an den Gedanken muss ich mich noch gewöhnen.
    Die Eselsbrücke mit WLAN ist cool 🙂

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