Wie uns automatisierte Verhaltensweisen helfen glücklicher zu werden

Wir erzeugen uns Stress, Hektik und schlechte Gefühle selbst durch unserer eigenen Verhaltensweisen. Das ist eine der Grundideen der Vipassana Meditation. Wie wir das für uns benutzen können, und welche Verhaltensweisen das genau sind, erfahren wir heute.

Vipassana Meditation

Der Legende nach ist die Vipassana die Meditationstechnik, die Buddha letztendlich die Erleuchtung brachte. Vipassana heißt übersetzt: „Sehen, was wirklich ist.“

Diese Technik dient also der Erkenntnis, um zu sehen, was wirklich ist.

Da diese Technik auf Buddha zurückgeht, ist sie schon cirka 2500 Jahre alt, und im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Lehrrichtungen und Strömungen herausgebildet.
Ich selbst habe zwei Schulen kennengelernt. Vipassana, wie es im Wat Phra That Doi Suthep gelehrt wird (das ist ein buddhistischer Tempel in Chiang Mai, Thailand), und Vipassana, wie es von S.N. Goenka gelehrt wird.

Eine befreiende Idee

Die Grundidee von Vipassana lautet vereinfacht:

Die Quelle von schlechten Gefühlen, Stress und Hektik sind deine automatischen Verhaltensweisen. Und wenn du deine automatischen Verhaltensweisen auflöst, wirst du sehr viel glücklicher und gelassener werden.

Das ist eine sehr wichtige Erkenntnis, und ich bitte dich, kurz innezuhalten. Ich lade dich ein, mit mir über diesen Satz nachzudenken, was er bedeutet.
In sehr vielen Situationen reagieren wir automatisch, zum Beispiel wenn uns ein anderer Autofahrer anhupt, oder jemand böse Worte gegen uns richtet. Unsere Reaktion fällt dann meist nicht sehr nett aus.
Einige werden jetzt sagen, aber das ist doch eine ganz normale Reaktion auf diese Ereignisse. Nein, das ist sie nicht. Meistens sind das automatische antrainierte Verhaltensweisen.
Es wäre doch viel besser, nachdem man angehupt wurde, nachzudenken, wieso hat dieser andere Fahrer gehupt? Entweder er steht unter Stress, und möchte das ungerechtfertigterweise weitergeben. Oder er möchte uns warnen oder auf etwas hinweisen.
Und wenn jemand böse Worte gegen uns richtet, wäre es besser kurz nachzudenken, wieso hat diese Person das gesagt? Wollte sie uns verletzen, ist sie selbst verletzt oder vielleicht geistig verwirrt.

In vielen Situationen übernehmen unsere automatischen Verhaltensweisen, und wir schalten auf Autopilot. Das führt meistens zu Stress, Hektik und schlechten Gefühlen.

Stell dir vor wie es wäre, wenn dir jemand böse Worte an den Kopf wirft, und du denkst dir, heute ist so ein schöner Tag, ich lasse diese bösen Worte einfach vorbeifliegen und gehe nicht darauf ein. Wäre das nicht ein mächtige Eigenschaft?

Die Auflösung der automatischen Verhaltensweisen bedeutet: NICHT automatisch zu reagieren, sondern kurz über seine eigene Reaktion nachzudenken. Das führt zu erheblich mehr Gelassenheit und Ruhe im Leben.

Ich selbst habe sehr lange gebraucht, diese Idee zu verstehen. Und es hat sehr viel länger gedauert, bis ich sie verständlich niederschreiben konnte. Deswegen lade ich dich ein, diese Idee einfach mitzunehmen, und fürs Erste nicht zu bewerten.

Das Verstehen hat bei mir länger gedauert, weil die klassische Formulierung der Idee lautet cirka so:
Durch die Auflösung der Sankharas erlangst du Erlösung.

Und dazu hätte ich verstehen müssen was Sankharas sind. In meinem ersten Vipassana Kurs habe ich immer gedacht, Sankharas seien Verunreinigungen des Geistes, weil immer von der Auflösung der Sankharas gesprochen wurde. Erst nach eingehendem Studium habe ich verstanden, was mit Sankharas wirklich gemeint ist.

Sankharas (saṅkhāra in Pali, beziehungsweise saṃskāra in Sanskrit) sind automatische Handlungsweisen sind. Aber das habe ich erst sehr viel später verstanden.

Ich denke, jeder glaubt von sich, sehr schlau zu sein. Aber manchmal liegen wir leider falsch. Deswegen lade ich dich ein, diese Erkenntnis nicht zu analysieren, sondern sie nicht zu bewerten und einfach mitzunehmen.

Egal ob du spirituell bist, oder Spiritualität für Humbug hältst, wenn du dich mit deinen automatischen Handlungsweisen auseinandersetzt, wird das einen riesigen positiven Effekt auf dein Leben haben. Aus rein pragmatischer Sicht betrachtet: Wenn du in deinem Leben wirklich etwas ändern möchtest, dann ist der Hebel, an dem du ansetzten solltest, deine automatischen Handlungsweisen. Und das ist ganz unabhängig von Religion oder Spiritualität.

Automatische Verhaltensweisen

Wenn ich automatische Verhaltensweisen schreibe, wird jeder cirka wissen, was ich damit meine.
Das sind Verhaltensweisen, die wir unbewusst machen. Sie sind, wie der Name schon sagt, automatisiert. Wir denken also nicht darüber nach, sondern tun sie einfach. Viele dieser Verhaltensweisen lernen wir schon von klein an, und hinterfragen sie nicht.

Jeder von uns trägt eine Vielzahl solcher automatischen Verhaltensweisen in sich. Als Beispiele für dich möchte ich von zwei meiner eigenen automatischen Verhaltensweisen erzählen.

Nummer eins ist beim Streiten mit meiner Freundin. Hin und wieder kommt es zu Streit zwischen mir und meiner Freundin. Leider schalte ich da sehr oft auf Autopilot und werde immer lauter. Das heißt ich schraube da manchmal meine eigene Lautstärke sehr weit hinauf. Wenn mich meine Freundin dann fragt, wieso ich so schreie, ärgere ich mich über mich selbst, weil sie recht hat.
In einem Streit fallen auch oft verletzende Worte. In einem unbedachten Moment sagt man Dinge, die man so nicht meint. Das passiert vielen Leuten. Bei den verletzenden Worten bin ich achtsamer als bei der Lautstärke.

Flamm automatisierte Verhaltensweisen wut

Besonders in emotional schwierigen Situationen übernehmen automatischen Verhaltensweisen gerne das Steuer, und man merkt das gar nicht. Oder man merkt das erst zu spät.
Bei der Streitkultur zwischen mir und meiner Freundin muss ich sagen, dass wir es beide schon ganz gut drauf haben, dem Anderen Raum zu geben, wenn er Luft ablassen muss. Und gottseidank sind die Tage, an denen wir beide Dampf ablassen wollen, sehr selten.

Nummer zwei ist eine Verhaltensweise bei meiner Arbeit. Ich habe jahrelang immer sehr gute Arbeit geliefert in der Erwartung, dass ich dafür gelobt werde. Das hat schon in der Schule begonnen, ich war ein sehr guter Schüler, und das hat sich durch mein ganzes Leben gezogen. Das ist eine sehr nervige Verhaltensweise, weil ich versuche durch Leistung Zuwendung zu bekommen. Leider hatte das Ganze sehr blöde Nebenwirkungen. Wenn die Leistung, die ich erbringe, nicht mehr passt, habe ich dann noch Zuwendung verdient?

Vielleicht erkennt sich der eine oder andere wieder in meinen Verhaltensweisen, aber es gibt da natürlich noch viel mehr Beispiele für solche automatisierten Verhaltensweisen. Wenn du kurz in dich gehst, fallen dir bestimmt zig Beispiele ein für solche automatischen Verhaltensweisen.
Beispiele, die wahrscheinlich jeder kennt, sind böse Gedanken, nachdem man beim Autofahren angehupt wird, oder böse Gedanken an den Chef, wenn dieser wieder mal eine total blöde E Mail geschrieben hat.

Bei all diesen Beispielen tritt ein Reiz auf, und unsere Reaktion erfolgt automatisch.
Das gibt es in sehr vielen Möglichkeiten. Der Reiz kann dabei von außen kommen, oder der Reiz kann auch ein Gedanke in uns selbst sein. Die Reaktion kann auch verschieden ausfallen, zum Beispiel im Außen können wir dem Chef eine böse Mail zurückschreiben, oder im Innen können wir uns mächtig über unseren Chef ärgern und den Groll schlucken.
Du siehst es gibt zig verschiedene Möglichkeiten für diese Reize und Reaktionen.

Die Herausforderung ist die Bewusstmachung

Bis jetzt hat sich das Alles sehr einfach angehört. Wir denken einfach über unsere automatisierten Verhaltensweisen nach, und dann werden wir glücklicher.

Aber so einfach ist das leider nicht.

Diese automatischen Verhaltensweisen sind erstens automatisch (sie heißen ja so), und zweitens unbewusst. Wir sind uns dieser Verhaltensweisen also nicht richtig bewusst.

Der riesige große Teil unserer automstischen Verhaltensweisen ist unbewusst. Vielleicht hast du im letzten Bereich über deine eigenen Verhaltensweisen nachgedacht, und wahrscheinlich bist du auf die eine oder andere automatisierte Verhaltensweise gestossen. Aber leider passiert der Großteil unserer automatisierten Verhaltensweisen unbewußt.

Das Ziel bei der Arbeit mit automatischen Verhaltensweisen ist also deren Bewusstmachung.

Auflösung der automatisierten Verhaltensweisen

Der erste und wichtigste Schritt für die Auflösung von automatisierten Verhaltensweisen ist die Bewusstmachung. Das passiert durch Achtsamkeit auf unsere Gedanken, Gefühle und unseren Körper.
Durch die Achtsamkeit werden wir uns also bewusst, welche automatischen Verhaltensweisen wir haben. Das braucht einiges an Übung und Erfahrung.

In der Zukunft von diesem Blog und meinen Kursen zeige ich dir, wie diese Achtsamkeit funktioniert, und wie man sie genau einsetzen kann.

Flamm automatisierte Verhaltensweisen

Meinen heutigen Post möchte ich abschließen mit einem Zitat von Viktor Frankl, das ich sehr schön finde:

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.

– Viktor Frankl

Wenn wir uns unserer eigenen Handlungsweisen bewusst sind, dann haben wir die Macht sie zu verändern. Dann haben wir die Macht, uns selbst zu ändern, und unsere volle Größe zu leben.

Danke fürs Lesen,
Christoph

 

PS.:
Ich würde mich freuen von deinen Gedanken zu dem Thema in den Kommentaren zu lesen.

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