Wir werden sehen

Wir werden sehen, das Leben bietet uns viele tolle Möglichkeiten. Manche davon verbauen wir uns selbst durch voreilige Schlüsse. Wie wir das ändern, und mehr Auswahlmöglichkeiten für ein schönes Leben bekommen, lesen wir heute.

Wir werden sehen

Vor langer Zeit lebte in Asien ein Bauer. Er war in seinem Dorf bekannt, weil er sehr ruhig war. Er hatte einige Schweine und Kühe, und auch ein Pferd.
Zu der damaligen Zeit waren Pferde sehr viel wert, und damit die Stute gesund blieb, ließ der Bauer sie jeden Tag auf die Weide.
Eines Tages aber wurde die Stute von einer Schlange erschreckt und lief davon.

Die Leute aus dem Dorf sprachen über das Unglück des Bauern. Ein davongelaufenes Pferd war ein großer finanzieller Verlust. Als die Leute des Dorfes den Bauern fragten, was er tun würde, sagte er nur: Wir werden sehen.

Nach zwei Wochen kehrte die Stute aus der Freiheit zurück zum Bauern, und sie wurde begleitet von einem schönen Hengst.
Die Leute des Dorfes sprachen natürlich sofort über dieses gute Omen. Sie fragten den Bauern, was er mit dem Hengst zu tun gedenke. Er antwortete, wir werden sehen.

Flamm Wir werden sehen Pferde

Der Sohn des Bauern, wollte den Hengst zureiten, damit man ihn besser verwenden konnte. Doch der Hengst war so voller Energie, dass er den Sohn des Bauern abwarf. Bei diesem Unfall verletzte sich der Sohn des Bauern so stark am Fuß, sodass er fortan humpelte.
Natürlich verbreitete sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer unter den Personen des Dorfes. Sie waren davon überzeugt, dass das ein böses Omen war. Als der Bauer danach befragt wurde, sagte er nur, wir werden sehen.
Die Leute verstanden den Bauern nicht. Sein Sohn humpelte wegen diesem Pferd, und er regte sich nicht einmal darüber auf.

Im Sommer darauf zog der Kaiser der Provinz aus zum Krieg, und er sendete seine Soldaten aus, um alle jungen kräftigen Männer zu rekrutieren. So geschah es, dass alle jungen Männer des Dorfes in die Armee des Kaisers eingezogen wurden.
Alle jungen Männer? Nein, alle bis auf den Sohn des Bauern, weil dieser einen lahmen Fuß hatte.

Und ihr könnt euch vielleicht schon denken, was der Bauer dazu sagte…

Wir werden sehen.

Wir bewerten

Wahrscheinlich erkennt sich jeder in der Geschichte wieder. Jeder hat schon einmal voreilige Schlüsse gezogen und Situationen falsch eingeschätzt. Die meisten von uns neigen dazu eher die schlechten Seiten einer Sache zu sehen, als die guten Seiten.

Was will uns die Geschichte also sagen? Sollen wir immer nur das Beste annehmen?
Nein! Die Geschichte lehrt uns, dass die Geschehnisse rund um uns einfach sind. Sie sind weder gut noch schlecht, sie sind einfach passiert. Diese Einteilung in gut oder schlecht nehmen wir selbst vor. Diese Klassifikation und Bewertung passiert nur durch uns selbst.

Wer kennt das nicht? Wir lernen eine neue Person kennen, und innerhalb von wenigen Sekunden bewerten wir diese Person und stecken sie in eine Schublade. Hübsche, angenehme Personen mögen wir. Harsche unangenehme Personen mögen wir von Anfang an nicht. Wir treffen ganz unbewusst Annahmen.

Das Bewerten lernen wir schon von Kindheit an. Das ist gut und das ist schlecht. Dieses schwarzweiß Denken wird uns schon früh beigebracht. Es ist Teil unserer Konditionierung. Erfolg ist gut, Faulheit ist schlecht.

Diese inneren Bewertungen sind Teil unserer anerzogenen Automatismen. Manche dieser Automatismen sind sinnvoll. Wenn ich mit dem Auto zur Ampel komme, denke ich nicht jedes Mal aufs Neue nach, hoppla rot bedeutet stehenbleiben.
Diese Automatismen und Bewertungen vereinfachen unser Leben drastisch, deswegen werden sie auch meistens nicht hinterfragt.

Aber stimmen alle unsere Bewertungen, die wir vornehmen? Stimmen die Annahmen, die wir treffen? Nein, sehr oft bewerten wir Situationen falsch und treffen falsche Annahmen.

Wir berauben uns selbst

Durch diese Bewertungen und Annahmen, die wir treffen, berauben wir uns selbst.
Wir berauben uns von Handlungsmöglichkeiten, die unser Leben vielleicht bereichern könnten.
Schon nach wenigen Augenblicken bewerten wir eine Situation, das ist gut oder das ist schlecht. Aber welche Möglichkeiten würden uns offenstehen, wenn wir kurz warten würden?

Ich habe auch schon viele Situationen falsch eingeschätzt. Vor Jahren musste ich einmal einen Tag am Pariser Flughafen CDG verbringen. Durch einen Buchungsfehler konnte ich meinen geplanten Flieger in der Früh nicht nehmen, und der Ersatzflug war erst spät abends. Damals habe ich mich den gesamten Tag über geärgert. Ja, wirklich, den gesamten Tag über. Heute würde ich den Tag nach Eurodisney fahren, anstatt mich zu ärgern.

Es gibt aber auch ein schönes Beispiel, wo ich nicht bewertet habe. Ich habe mich in meiner Studienzeit für ein Auslandsemester an der ETH beworben. Das war leider nicht möglich, weil schon alle Plätze besetzt waren. Natürlich war ich schon ein bisschen geknickt. Aber was habe ich gemacht? Satt in die Schweiz bin ich einfach nach Italien gefahren. Mein Auslandssemester in Siena war eine der schönsten Zeiten meines Lebens. Ich habe so viel gelernt, über das Leben, das Essen und die Liebe.

Mit diesen Geschichten möchte ich eines zeigen:
Das Leben bietet uns so viele Möglichkeiten. Durch die automatischen Bewertungen, die wir treffen, schränken wir uns nur selbst ein.

Situationen sind nicht gut oder schlecht, sie sind einfach.
Was wir aus einer Situation machen, liegt an uns selbst.

Wie komme ich also weg von diesen Bewertungen?

Neue Wege

Flamm Wir werden sehen

Ganz einfach: Nicht bewerten.

Das klingt sehr einfach, ist es aber meistens nicht. In vielen Situationen passieren unsere Bewertungen und daraus folgende Reaktionen ganz automatisch.
Diese automatischen Muster löst man am besten durch Bewusstmachung auf. Was heißt das im konkreten Fall?

Falls du in eine wichtige Situation kommst (das sind Situationen, die Auswirkungen auf dein Leben haben, oder Situationen, die dich emotional stark belasten), dann wende eine der drei folgende Handlungsweisen an:

  • Fühle in dich hinein. Wenn du starke Anspannung, Aufgeregtheit, oder ein seelisches Ungleichgewicht verspürst, dann solltest du dir mit der Bewertung der Situation Zeit lassen.
    Ein schönes Beispiel hierfür ist ein Streit mit deinem Lebenspartner bzw. Lebenspartnerin (und hier rede ich aus eigener Erfahrung). Gerade in Situationen, wo wir unter enormer emotionaler Anspannung stehen, sollten wir unsere ersten Impulse (meistens böse Worte, die wir sagen würden) stark hinterfragen.
  • Zähle innerlich von eins bis fünf. Das verschafft dir Zeit.
    Das klingt schon fast zu einfach, aber du wirst sehen, dass schon diese einfache Methode dir hilft.
  • Wenn du innerlich eine Bewertung getroffen hast, frage dich selbst: Stimmt das zu 100%? Ist das wirklich vollkommen richtig?
    Und falls die Antwort nicht sofort ja ist, dann ist deine Bewertung oder Annahme vermutlich falsch.

Das Ziel aller dieser Handlungsmethoden besteht darin, die Automatismen zu unterbrechen. Jede dieser Methoden setzt an einem anderen Punkt an.
Jeder Mensch ist anders. Probiere einfach mal aus, was bei dir am besten funktioniert.

Natürlich ist es oft wichtig, Situationen zu analysieren, und daraus Handlungen abzuleiten. Aber es ist schlecht unseren automatischen Bewertungen unreflektiert zu folgen.

Indem wir unsere automatischen Bewertungen unterbrechen, werden wir eine Vielzahl neuer Handlungsmöglichkeiten sehen. Und in dieser Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten liegt ungeahntes Potential.

Wenn wir Situationen nicht sofort bewerten, sondern uns selbst noch einige Augenblicke mehr Zeit geben, werden sich ungeahnte Möglichkeiten auftun. Möglichkeiten für innere Ruhe und Glück.

Wir wissen nicht, was hinter der nächsten Biegung des Weges auf uns wartet.

Flamm Wir werden sehen Weg

Wir werden sehen!

 

Danke fürs Lesen,
Christoph

 

PS.:
Hast du Personen oder Situationen auch schon mal falsch bewertet? Oder hast du eine der drei oben genannten Handlungsweisen ausprobiert? Ich würde mich freuen von deinen Erkenntnissen und Erlebnissen in den Kommentaren zu lesen.

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